"Deliktische Haftungsgrundlagen".


Von eigenständiger Bedeutung ist das Deliktsrecht im tierärztlichen Haftungsbereich indes dort, wo ausnahmsweise keine vertraglichen oder
quasivertraglichen Rechtsbeziehungen zum Tierarzt bestehen. Denkbar ist dies bei reinen Gefälligkeitsleistungen ohne rechtsgeschäftlichen Charakter.

Häufiger wird die deliktische Haftung jedoch in Konstellationen relevant, in denen der Tierarzt nicht eigenständig tätig wird. So kann der Behandlungsvertrag beispielsweise mit einer Tierklinik abgeschlossen worden sein und es somit an einer eigenständigen vertraglichen Beziehung zum in der Klinik
angestellten und die Behandlung ausführenden Tierarzt fehlen.


Ebenso verhält es sich in den Fällen, in denen ein Tierarzt als Angestellter in einer Praxis tätig wird, sodass der Behandlungsvertrag mit dem Praxisinhaber
und nicht mit dem behandelten Arzt zustande kommt. In diesen und ähnlichen Konstellationen kann der behandelnde Tierarzt persönlich nur über
das Deliktsrecht in Anspruch genommen werden.


Hierdurch erhält der Kläger nicht nur einen zusätzlichen Schuldner, vielmehr kann die Möglichkeit den Tierarzt selbst zu verklagen auch aus
prozesstaktischen Gründen relevant werden. So kann ein mitverklagter Tierarzt im selben Prozess nicht als Zeuge aussagen.


Im Übrigen stehen vertragliche und deliktische Ansprüche zueinander in Anspruchskonkurrenz und gelangen daher nebeneinander zur Anwendung.
Die dem Tierarzt aus dem Vertragsrecht erwachsenden Verpflichtungen im Behandlungsbereich decken sich vielfach mit den im Deliktsrecht
verankerten, von jedermann zu beachtenden allgemeinen Pflichten, sodass insbesondere auch deliktsrechtlich eine Behandlung nach dem Stand der
veterinärmedizinischen Kunst geschuldet wird.